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Sprachkenntnisse: Zwei Fremdsprachen sind das Minimum

Eine zweite Fremdsprache neben Englisch wird für Bewerber immer wichtiger. Welche Sprachen derzeit gefragt sind und wie man sie am besten lernt.

Mark-Alexander Huth hat ein Faible für Fernost, und das schon seit Jahren. Während seines Jurastudiums lernte er mit einer chinesischen Studentin Vokabeln, ein Semester hat er im Reich der Mitte studiert, derzeit promoviert er am deutsch-chinesischen Institut für Rechtswissenschaften in Göttingen. Gerade hat er einen zweiwöchigen Chinesisch-Intensivkurs absolviert, der nächste soll bald folgen. Während des Referendariats will er in China Station machen. Von seinem Sprachwissen erhofft er sich Vorteile bei der Jobsuche : „Die Karte will ich ausspielen.“ 

Mit seinen Kenntnissen hat Huth in der Tat ein Ass im Ärmel. Das Beherrschen einer zweiten Fremdsprache steht bei Personalern hoch im Kurs. Englisch allein reicht nicht mehr, wenn die Bewerbungsmappe oben auf dem Stapel landen soll : „Englischkenntnisse sind Standard“, bestätigt Eric Hampe, Leiter Recruiting bei Siemens. Selbst die als Fremdsprachenmuffel stigmatisierten Ingenieure sollten zumindest Grundkenntnisse in einer zweiten Sprache haben, wenn sie beim Elektrokonzern landen wollen.

Nicht nur da. Denn Sprachengagement verrät den Recruitern auch etwas über den Charakter des Bewerbers : „Wer eine zweite Sprache lernt, beweist Fleiß, Durchhaltevermögen und Ehrgeiz“, sagt Tom Lamberti, Experte für Organisationsentwicklung bei der Managementberatung Hewitt. So wundert es nicht, dass mehr als 150.000 Deutsche jedes Jahr eine Sprachreise ins Ausland buchen. Etliche mehr büffeln zu Hause in Kursen oder lauschen Lern-CDs. Auf dem Markt für Sprachunterricht buhlen tausende Anbieter um Kundschaft, längst nicht alle arbeiten seriös.

Als populärste Zusatzsprache hat Spanisch inzwischen Französisch überholt. Gefragte Zweitzungen sind derzeit aber auch Sprachen von Ländern, deren Bewohner Englisch nicht flächendeckend beherrschen. Das gilt aktuell für osteuropäische Staaten, vor allem aber für China. Wer sich hier Kenntnisse verschafft, kann sich deutlich profilieren : Die Sprachen beherrschen zurzeit nur wenige.

Bisher. Gerade die Nachfrage nach Chinesischkursen ist explosionsartig gewachsen. Jochen Pleines, Direktor des Landesspracheninstituts Nordrhein-Westfalen (LSI) in Bochum, muss zurzeit die Hälfte aller Lernwilligen ablehnen oder auf eine lange Warteliste setzen. Viele Unternehmen wollen sich in China Märkte erschließen, dazu brauchen sie Mitarbeiter, die am Ort zurechtkommen. Ohne Sprachkenntnisse ist das schwer. „Die Nachfrage nach einer bestimmten Sprache hat eine seismografische Funktion. Sie ist Gradmesser politischer oder ökonomischer Entwicklungen“, sagt Pleines. So wird etwa Japanisch, einst sehr angesagt, am Bochumer Institut immer seltener gebucht.

Dafür umso öfter Arabisch. Die 27-jährige Betriebswirtin Cordula Müller zum Beispiel absolviert gerade einen Arabischkurs am LSI. Das Lerntempo ist hoch : Der Unterricht fängt morgens um halb neun an und geht bis fünf Uhr nachmittags. Danach büffeln die Schüler Vokabeln, um für den nächsten Tag fit zu sein. „Man muss am Ball bleiben, sonst war die Plackerei vergebens“, sagt Müller. Der Lohn der harten Arbeit : Nach drei Wochen kommen die Teilnehmer in der neuen Sprache zurecht. „Mühsam zwar, aber der Unterricht legt das Fundament, damit sich Teilnehmer verständigen können“, sagt LSI-Chef Pleines.

Das Lehrverfahren am LSI unterscheidet sich dabei kaum von dem anderer moderner Anbieter, die Dosis ist nur deutlich höher. Die Lehrer sind meist Muttersprachler, die in ihren Unterricht auch zahlreiche visuelle Elemente wie Dias oder Skizzen von Situationen einbauen. In Kleingruppen lernen die Schüler vor allem Vokabeln, üben diese im Dialog und spielen Szenen aus dem Alltag nach. Vor allem das punktgenaue Training, „die Vorbereitung auf eine konkrete Situation, zum Beispiel eine Präsentation, nimmt zu“, sagt René Schwarz, Chef der Sprachschule Inlingua.

Mit dem stärker auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittenen Angebot reagieren die Schulen auch auf die Erkenntnisse der Wissenschaft. „Es gibt kein allgemein gültiges Patentrezept, wie man eine Sprache am besten lernt“, sagt Frank Königs, Professor für Didaktik an der Universität Marburg. Aus der Vielfalt des Angebots muss sich der Lerner das zu seinen Ansprüchen am besten passende auswählen. Die gängigsten Methoden sind : 

Genauso heterogen wie das Angebot sind die Preise der Seminare. Um Wucherern nicht auf den Leim zu gehen, gibt die Aktion Bildungsinformation Stuttgart (ABI), eine Art Stiftung Warentest für Bildungsangebote, einen Richtwert von 10 bis 15 Euro pro Unterrichtsstunde bei einer Kursstärke von maximal zehn Teilnehmern an, Intensivschulungen mit Kleingruppen dürfen auch teurer sein. So zahlen die Teilnehmer eines Intensivkurses im Schnitt 400 Euro pro Woche, während Sprachreisende im Schnitt 600 Euro hinblättern müssen – innerhalb Europas. Das lohnt sich. „Was nützt ein günstiges Angebot, wenn man im Unterricht nicht zu Wort kommt, weil dort 25 Leute sitzen“, sagt Barbara Engler, ABI-Expertin für Sprachangebote. Zu knauserig sollten Interessenten nicht sein.

Zudem sind die Kosten für einen Sprachkurs als Werbungskosten voll absetzbar, wenn der Unterricht beruflich veranlasst ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand eine gängige oder eine exotische Fremdsprache lernt und auf welchem Niveau er das tut (Bundesfinanzhof, VI R 46/01). Selbst wenn der Sprachkurs nur dem Privatvergnügen dient, sind die Kosten Sonderausgaben in der Steuererklärung.

Etwas kniffeliger ist die Sache bei Sprachreisen. Die Finanzämter unterstellen gerne, dass die Reise Privatvergnügen war. Nimmt der Arbeitnehmer für die Sprachreise aber den gesetzlich zugesicherten Bildungsurlaub (pro Jahr bis zu fünf Tage, je nach Bundesland), wird der Trip eher anerkannt. Motto : Wer einen Zeit raubenden Kurs an einem öden Ort auf sich nimmt, den mag nicht einmal der Finanzbeamte zusätzlich quälen.

ANDREAS GROSSE HALBUER/CORNELIUS WELP
Wirtschaftswoche, 30.03.2004